Eine Reise in die Vergangenheit der kleinen Ortschaft Merten ...

Am Samstag, den 02.09.2017 begrüßte Wilfried Müller, stellvertretende Vorsitzende von kivi e.V., sagenhafte 70 Interessierte aus Merten und der näheren Umgebung zu der kulturhistorischen Dorfwanderung. Elisabeth und Hans-Dieter Patt hatten als „Mertener“ einen Weg durch das Dorf ausgewählt, der an fünf Kernplätzen die Geschichte des Ortes an der Sieg exemplarisch nachvollziehen sollte.

Merten 02.09.2017 4Der ehrenamtliche Fremdenführer, Herr Patt, führte die Gruppe. Start war der ehemalige Schulhof der katholischen Volksschule; die Dorfschule war 1805 im Ostflügel des ehemaligen Klosters eingerichtet worden und bestand zweiklassig bis 1968. Als sog. „Zwergschule“ wurde sie dann nach 163 Jahren in die Gemeinschaftsgrund- bzw. -hauptschule nach Eitorf verlegt. In den Klassenräumen der ehemaligen Volksschule befindet sich heute der Kindergarten „Mertener Schloßgespenster“. Die Mertener Vereine nutzen das umgebaute ehemalige Lehrerhaus („Dorfhaus“) als Proben- und Versammlungsort.

Die alte Dorfpumpe als neuer Ort der Mitfahrbank in Merten

Wenige Schritte weiter versammelte sich die Gruppe um die ehemalige Dorfpumpe. Als „kommunikative Schaltstelle“ bekannt, war dieser Platz bis zur Stilllegung der Pumpe und den Anschluss des Dorfes an das öffentliche Wasserleitungssystem im Jahre 1961 ein Treffpunkt der Dorfbevölkerung. An diesem Ort standen bis in die 60er Jahre auch zwei der drei Lebensmittelgeschäfte einschließlich einer Bäckerei. Das Gasthaus war unmittelbar nebenan.

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Über den Burgweg spazierte die Gruppe bis zu der etwa 700 Meter entfernten Bahnhaltestelle. Wissenswertes und Unterhaltsames aus dem Dorfleben verkürzten den Weg. Die Haltestelle Merten/Sieg war im Jahre 1900 an die in den 1850er Jahren gebaute Eisenbahnlinie Köln/Deutz-Siegen angeschlossen worden. Die Euphorie der Mertener über den Bahnschluss drückt ein Lied aus, das der damalige Lehrer Schmitz auf die Volksweise „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ getextet hatte. Elisabeth Patt trug den bis dahin gänzlich unbekannten Text den überraschten Zuhörern vor. Die Freude der Mertener über ihren Bahnhof währte allerdings nicht lange. In den folgenden Jahren wurde Merten „wieder vom Netz genommen“, erst 1925 erneut angeschlossen, und die Haltestelle besteht seitdem bis heute fort. In den letzten Kriegstagen 1945 diente der Mertener Tunnel als Zufluchtsort der Bevölkerung. Patt stellte am Beispiel von aktueller Erfahrungen mit der Bahnhaltestelle und ihrem Erhalt heraus, wie wichtig eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur für dieses Dorf als Wohnort auch heute noch ist. Hier hat sich in den letzten Jahren einiges verbessert.

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An den Koppeln des Uniongestüts vorbei ging es weiter bis in den Schlosshof und zur Kirche St.Agnes. Die wechselvolle Geschichte des ehemaligen Augustinerinnenklosters und der Kirche wurde am Beispiel herausragender historischer Ereignisse nähergebracht. Seit jeher begrüßt die Silhouette der Kirche mit ihren ungleichen Türmen und das ehemalige Klostergebäude oberhalb der Sieg den Besucher. Die romanische Kirche aus dem 12. Jahrhundert erhielt nach dem Brand in 1699 eine barocke Ausstattung. In den 1950er und 1960er Jahren wurde in einer aufwendigen Restaurierung der ursprünglich romanische Stil der Kirche wiederhergestellt. Die Pfarrkirche ist heute auch beliebtes Ziel von Wanderern und Kunstinteressierten. Im April 1945 brannte das „Herrenhaus“ (früher Teil des Klosters) nach einem Artilleriebeschuss bis auf die Mauern aus. Remisen und Orangerie dienten zunächst als Familien- und Bildungsstätte. Die gesamte ehemalige Kloster- und später Schlossanlage sind seit 1991 ein Senioren- und Pflegeheim. Patt erläuterte, wie wichtig es ist, dass historische Gebäude - wie zum Beispiel das Schloss- ihr Ruinendasein nur haben überwinden können, weil sie einer angemessenen Nutzung zugeführt wurden.

Ausklang auf dem Union-Gestüt

Die letzten Meter der zweistündigen Wanderung waren schnell geschafft, man erreichte das Union-Gestüt. Der „Union-Klub“ hatte sich im Jahre 1867 gegründet mit der Zielsetzung, die deutsche Vollblutzucht zu fördern. In Berlin-Hoppegarten (Ostberlin) gelegen, wurde der Klub 1945 enteignet und fand 1960 in Merten auf dem ehemaligen Klosterhof unter der Leitung von Franz Charles de Beaulieu einen neuen Platz. Der derzeitige Leiter Walter Stürze empfing die hungrigen Gäste mit erfrischenden Getränken und Gegrilltem. Bei herrlichem spätsommerlichem Wetter saß die Gruppe noch zusammen und tauschte sich aus.

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Man war sich einig, dass die Identität eines Ortes durch Unternehmungen wie diese gestärkt werden kann und dadurch das Leben auf dem Lande nicht nur für Ältere lebenswert macht. Anerkennung erfuhr der Ort durch die Auszeichnungen als „Silberdorf“ 2011 und „Golddorf“ 2014 im Rahmen des Landeswettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“.

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MiL-Team Merten

MiL Team

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Termine Merten & Bach

  • am 15.10 findet in Merten im Spiegelsaal in Schloss Merten um 17:30 ein Vortrag über das Thema "Feuer und Brandschutz - wissen was wichtig ist" statt. Die Teilnahme ist kostenlos.

  • 22. Oktober MiL-Team Treffen. 18 Uhr im Kaminzimmer in Schloss Merten.

  • Am 5. November wird es einen Vortrag zu Thema "Erben und Vererben" im Spiegelsaal in Schloss Merten geben. Dieser beginnt ebensfalls um 17:30 und ist kostenlos.

  • 26.11 MiL-Team Treffen. 18 Uhr im Kaminzimmer in Schloss Merten.
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